Geschichte der Pfarrei Philippsreut

Anfänge der Philippsreuter Kirchengeschichte

Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg Info Icon Kirchenchronik von Chrstian Weishäupl
Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg

Fürst­bi­schof Johan Phil­ipp von Lam­berg wies 1692 6 Ursied­ler eine Rode­flä­che zu. Dadurch ent­stand das Wald­hu­fen­dorf Klein­phil­ipps­reut. Im Lau­fe der Zeit wuchs die Sied­lung im Zuge von Hof­ein­tei­lun­gen an und es wur­de March­häu­ser, Ursprung­au, Fischer­steig und Schwarzen­thal erschlos­sen. Alles gehör­te zur Groß­pfar­rei Freyung.

1749 wur­de in Grai­net eine Toch­ter­pfar­rei gegrün­det, die bis nach Bischofs­reut ging. 1777 wur­de in Mauth die Expo­si­tur St. Leo­pold errich­tet, wozu auch Mit­ter- und Hin­ter­fir­mi­ans­reut gehör­ten. Phil­ipps­reut und Vor­der­fir­mi­ans­reut blie­ben bei Frey­ung. Man ging nur sel­ten in die Kir­che nach Frey­ung, nur zu beson­de­ren Anläs­sen, wie Trau­un­gen, Beer­di­gun­gen, Tau­fen und Ostern. Da die Tau­fen meist noch am Tag der Geburt statt­fan­den, ging man hier­zu meist nach Mauth oder Kuschwar­da. Im Jahr 1832 wur­de Her­zogs­reut zu einer Expo­si­tur, was eini­ges erleichterte. 

Die Phil­ipps­reu­ter woll­ten aller­dings nicht zu Her­zogs­reut gehö­ren, da man nur sel­ten nach Frey­ung muss­te, in Her­zogs­reut kein Fried­hof war und man fürch­te­te finan­zi­ell über­mä­ßig belas­tet zu wer­den, da sich die Pfar­rei­en selbst finan­zie­ren muss­ten. 1843 wur­de die Kir­che in Her­zogs­reut ein­ge­weiht, wel­che auch mit Hil­fe der Phil­ipps­reu­ter gebaut wurde.

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1845 einig­te man sich über die zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen für den Unter­halt für die gemein­sa­me Seel­sorg­stel­le. Im Jahr 1848 wur­de der Fried­hof errich­tet und die Umpfar­rung vollzogen. 

Durch die Initia­ti­ve von Pfar­rer Josef Phil­ipp ent­stand eine grö­ße­re stei­ne­re Kapel­le in Phil­ipps­reut, die er am 14. Novem­ber zu ehren des Hl. Karl Bor­ro­mä­us weih­te. Hier­in wur­de fort­an wöchent­lich eine Hl. Mes­se gefeiert.

Entstehung der Expositur Philippsreut

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Friedhof um 1930

Pfar­rer Josef Starkl (1918 — 1922) geneh­mig­te den Phil­ipps­reu­tern einen Fried­hof, der 1921/22 am Orts­en­de nach Vor­der­fir­mi­ans­reut ange­legt wur­de und am 27. Juni 1922 von Dekan Nöpl ein­ge­weiht wur­de. Man sah dar­in einen ers­ten Schritt in Rich­tung Abspal­tung von Her­zogs­reut. Aller­dings war die Zeit dafür noch nicht reif. Die Infla­ti­on 1923 feg­te das ange­spar­te Kapi­tal hin­weg und zudem fein­de­te man sich mit Pfar­rer Feld­mei­er an, der die Sache rea­lis­tisch einschätzte. 

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Pfarrhaus wenige Jahre nach Fertigstellung

Man erhielt aller­dings völ­lig unver­hofft Reichs­mit­tel aus der sog. Ost­mark­hil­fe, wodurch der Bau eines Pfarr­hau­ses 1927 ermög­licht wur­de. Zudem wur­de eine ers­te Kir­chen­ver­wal­tung gewählt. Und so konn­te am 27. Okto­ber 1927 Karl Scheu­chen­zu­ber als ers­ter Seel­sor­ger in Phil­ipps­reut emp­fan­gen wer­den. Die klei­ne Kapel­le aus 1900 dien­te ihm als Kir­che. Die Errich­tung der Expo­si­tur erfolg­te zum 2. Janu­ar 1928 durch Bischof Sigis­mund Felix Frei­herr von Ow-Fell­dorf. Die Expo­si­tur ver­blieb im Ver­ban­de der Pfar­rei Her­zogs­reut. An der recht­li­chen Stel­lung als Expo­si­tur hat sich bis heu­te nichts geän­dert. In den Jah­ren dar­auf kamen immer jun­ge Geist­li­che nach Phil­ipps­reut als Expo­si­tus um Erfah­rung zu sammeln.

Im Jahr 1928 wur­de die Kapel­le ver­grö­ßert und ein Kir­chen­turm ange­baut, wodurch auch ein neu­es Geläut instal­liert wer­den konnte.

Zerstörung der Expositurkirche

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Die Expositurkirche nach der Erweiterung 1928

Zum Ende des 2. Welt­krie­ges kamen sehr vie­le Flücht­lin­ge aus dem Osten nach Phil­ipps­reut, wel­che hier auf­ge­nom­men wur­den. SS-Sol­da­ten ver­schanz­ten sich in den umge­be­nen Wäl­dern, um die nahen­den Ame­ri­ka­ner abzuwehren. 

Am Nach­mit­tag des 25. April 1945 setz­te der Beschuss auf das Dorf ein. Dar­auf­hin ver­lie­ßen die meis­ten das Dorf. 

Am 27. April traf eine Gra­na­te auch die Kir­che, wodurch der Anbau kom­plett zer­stört wur­de. Auch der Taber­na­kel war umge­stürzt. Aus die­sem barg Expo­si­tus Max Brand­ner noch in der­sel­ben Nacht mit zwei Hel­fern das Aller­hei­ligs­te und brach­te es in den Pfarrhof. 

Am 1. Mai besetz­ten die Ame­ri­ka­ner schließ­lich Phil­ipps­reut und beschlag­nahm­ten unter ande­rem auch den Pfarrhof. 

Max Brand­ner genoss das Ver­trau­en der Pfarr­kin­der und auch des US-Besatzers, sodass er etwas Ord­nung in die ver­wor­re­ne Lage brachte.

Der Kirchenbau und Einweihung des Gotteshauses

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Expositus Max Brandner

Weni­ge Tage nach Kriegs­en­de bat Brand­ner das Ordi­na­ri­at die Kir­che wie­der auf­bau­en zu dür­fen. Am Bes­ten an einem neu­en Ort. Am 10. Juni 1945 über­trug die Wit­we Anna Damas­ko das Grund­stück neben dem Pfarr­hof unent­gelt­lich für den Bau. Spä­ter wur­de durch Vor­spre­chen von Brand­ner bei Bischof Simon Kon­rad der Bau genehmigt. 

Im Herbst 1945 wur­de eine Bara­cke des auf­ge­las­se­nen Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gers bei Sonn­dorf nach Phil­ipps­reut gebracht und auf den Fun­da­ment­mau­ern der zer­stör­ten Kir­che auf­ge­baut. So ent­stand eine Not­kir­che. Am 1. Dezem­ber weih­te Brand­ner die­se in ein­fachs­ter Form, nach­dem die­se not­dürf­tig aus­ge­stat­tet wurde.

Im Jahr 1946 nahm der Bau der Kir­che Fahrt auf. Als Archi­tekt konn­te Anton Reck­na­gel gewon­nen wer­den, der mit Brenn­holz bezahlt wurde.

Als Bau­fir­ma konn­te die Fir­ma Ascher aus der Gemein­de Brei­ten­berg gewon­nen wer­den, von wel­cher der Bau auf die Fir­ma Bin­der in Kreuz­berg und im Spät­herbst 1948 auf die Fir­ma Watz­ka aus Jan­dels­brunn überging.

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Kirche im Rohbau Ende 1948

Um den Bau zu finan­zie­ren zu kön­nen, lie­ßen sich eini­ge Män­ner aus dem Ort zu gerin­gem Lohn in der Fir­ma ein­stel­len. Zudem wur­den Bet­tel­auf­ru­fe in der gan­zen Welt gestar­tet, was zum Erfolg führ­te. Frau­en und Kin­der ver­kauf­ten Him­bee­ren und Hei­del­bee­ren. Zudem gab die Diö­ze­se Zuschüs­se und über­nah­men eini­ge Rechnungen.

Die im Spät­som­mer begin­nen­den Erd­ar­bei­ten muss­ten von den Pfarr­an­ge­hö­ri­gen selbst über­nom­men wer­den. Durch die Hang- und Fels­la­ge beding­te Feuch­tig­keit soll­te spä­ter der Kir­che stän­dig Pro­ble­me bereiten.

Die Fei­er­li­che Grund­stein­le­gung für die neue Kir­che erfolg­te am 15. Juni 1947. Die Fun­da­men­te sowie die hang­sei­ti­ge Mau­er der Unter­kir­che waren da bereits fer­tig­ge­stellt. In den Grund­stein wur­den eine Tages­zei­tung, ein Gra­nat­split­ter vom 27. April 1945, sowie eine Urkun­de, auf der die schwie­ri­gen Umstän­de des Baus in der Nach­kriegs­zeit beschrie­ben sind, eingeschlossen.

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Bischof und Geistlichkeiten ziehen in das neue Gotteshaus ein

Die Bau­ma­te­ria­li­en stamm­ten alle aus der Umge­bung. Im Jahr 1948 konn­te der Roh­bau abge­schlos­sen wer­den und am 1. Okto­ber wur­de das Richt­fest began­gen. Zum 4. Novem­ber, den Gedenk­tag des Hl. Karl Bor­ro­mä­us, wur­den die Glo­cken von der alten Kir­che auf­ge­zo­gen und konn­ten somit erst­mals wie­der gemein­sam erklin­gen. Im Jahr 1950 wur­de die Kir­che innen ausgebaut.

Am 11. Okto­ber 1950 wur­de die Kir­che fei­er­lich von Bischof Simon Kon­rad Land­ers­dor­fer OSB ein­ge­weiht. Hier­bei nah­men neben Bischof und Dekan wei­te­re 27 Pries­ter teil.

Kirche und Pfarrgemeinde auf dem Weg ins dritte Jahrtausend

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Pfarrer Max Richtsfeld

Von 1967 bis 2006 wirk­te Max Richts­feld zuerst als Expo­si­tus, ab 1970 als Pfar­rer, in Phil­ipps­reut. Die­ser war von Beginn an ganz beson­ders vom Geist des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils (1962 — 65) und der dadurch erwirk­ten lit­ur­gi­schen Erneue­run­gen durchdrungen. 

Unter ihm kamen die Bru­der-Kon­rad Kapel­le auf der Alpe (1981) sowie die Neue Tus­set­ka­pel­le (1985) hinzu.

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Einzug von Pfarrer Alois Kaiser, Dekan Josef Wagmann und Pfarrer i. R. Richtsfeld in die Philippsreuter Kirche

Richts­felds Nach­fol­ger wur­de im Sep­tem­ber 2006 Pfar­rer Alo­is Kai­ser, der erst­mals Phil­ipps­reut mit Bischofs­reut und Haid­müh­le im Pfarr­ver­band betreute. 

Unter ihm wur­de 2008 die Unter­kir­che und 2018 die Kir­chen — West­fas­sa­de und Kir­chen­turm saniert. Zum Abschluss erklomm er mit Zim­me­rer­meis­ter Duschl die Turm­spit­ze um das neue Turm­kreuz zu segnen.

Seit 2022 dient Yohan Inju­ma­la als Pfarr­ad­mi­nis­tra­tor im Pfarrverband.